Losar: Das ladakhische Neujahrsfest

 Der folgende Text ist ein Auszug aus dem Buch:

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Kamerakidz: Winter in Zanskar. englisch/deutsch 146 Seiten ISBN: 978-3-9816247-1-7 Erscheinungsdatum: April 2015 Preis: 22,90 € Das Buch ist erhältlich bei Yangla Press

Frohes Neues Jahr

Das größte Ereignis im Winter ist Losar, das Neujahr! Da im Winter nicht so viel Aufregendes passiert, freut sich jeder auf die siebentägigen Losar-Feierlichkeiten. Es wird nach dem tibetischen Kalender üblicherweise Ende Dezember gefeiert. Für die Kinder bedeutet es viel Spaß und gutes Essen, für die Frauen ist es eine willkommene Gelegenheit für komische Theatereinlagen, für die Männer ist es eine gute Zeit um Chang zu trinken und für alle ist es hauptsächlich das Feiern, Tanzen und Singen in ihrer Gemeinde. Sie jagen das alte Jahr mit all dem Unglück hinaus und heißen das frische, neue, jungfräuliche Jahr willkommen mit Gebeten zu den Göttern für eine glückliche Zeit ohne Hindernisse.

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Für die Kinder ist Losar das schönste Fest im Winter

Sie starten mit der kleinsten Einheit: dem eigenen Körper. Er wird gewaschen und saubere frische traditionelle Kleidung wird angezogen. Die nächste Einheit ist das Haus, welches gesäubert wird, die Betten bekommen neue Laken, es gibt frische Kissenbezüge, saubere Teppiche werden auf den Boden gelegt und Kerzen werden überall angezündet, um die festliche Atmosphäre zu verstärken. Köstliche spezielle Speisen werden gekocht und die Kinder lecken sich schon die Lippen für ihre geliebten Fleisch Mok-Moks. Das ist der Tag bevor das eigentliche Losar startet.

Mönche kommen zu den Häusern und beten zu den Göttern. Butterlampen werden entflammt, Räucherstäbchen angezündet und Tormas (Opfergaben aus Mehl und Butter) hergestellt.

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Musiker mit den traditionellen Trommeln (Daman)

Die Familien schlüpfen in ihre traditionellen Gewänder Konchay und streifen ihre traditionellen Schuhe – Jatos – über. Ab hier gibt es keinen strengen Ablauf, wie die Dinge zu sein haben sondern es variiert je nach Dorf. Aber es gibt Elemente, die sehr ähnlich sind.

Üblicherweise kommen Kinder eines Dorfes im Alter von 6 und 12 Jahren zusammen. Diese Gruppe nennt sich Bhakpa. Ihr Anführer heißt Bhakspon. Er ist meistens männlich und trägt eine spezielle hölzerne Maske auf seinem Kopf, Charok genannt. Diese Kinder (manchmal sind es nur Jungen, manchmal Jungen und Mädchen gemischt) gehen von Haus zu Haus, singen und tanzen zu speziellen Losar-Liedern. Als Belohnung gibt es leckeres Essen und etwas Geld.

Sie werden begleitet von zwei erwachsenen Männern, die auch hölzerne Masken auf ihrem Kopf tragen. Diese beiden nennt man Gatmo und Gatpo: Großmutter und Großvater. Sie gehen von Haus zu Haus und segnen. Die Zanskaris glauben, dass im Haus ein Lha (eine Gottheit) lebt. Gatmo und Gatpo müssen spezielle Gebete und gute Wünschen an diese Gottheit richten. Sie befördern die Hindernisse hinaus und schütten dann Wasser hinterher so dass die Hindernisse nicht zurückkehren können. Tsampa wird geworfen um den Göttern zu gefallen und die Menschen rufen ein Frohes Neues Jahr. Gatmo und Gatpo singen und tanzen und bekommen Essen, Chang und Geld als Geschenke.

An den Abenden zünden die Leute Feuer an, tanzen und hocken sich darum. Nun können sie das vorher gesammelte Metho nutzen, welches funkelt und knackt, wenn es abbrennt.

Dazwischen müssen die Dorfleute den Sarpanch, das Dorfoberhaupt, besuchen. Sie bekunden ihren Respekt mit der Übergabe von Kataks (Ehrungsschal) und Keksen und rufen mit ihm „Frohes Neues Jahr!“

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Der Gatpo spielt gemeinsam mit Gatmo eine große Rolle beim Losar-Fest

Am letzten Tag (Monlam) ist die größte Zeremonie im Kloster-Lhakhang mit einem speziellen Lied/Sprechgesang. Die Dorfleute fragen Gatpo und Gatmo:

– Was bringt ihr für das neue Jahr?

– 1000 Lämmer und 1000 Ziegen und 1000 Kühe etc.

Danach müssen sie ein Symbol aus dem alten Jahr nehmen und damit fortgehen während sie ihre Masken im Kloster zurücklassen.

Innerhalb dieser Tage besuchen die Nachbarn einander oder treffen sich im Gemeinderaum. Sie essen und trinken zusammen, singen und tanzen. Besonders die Frauen erfreuen sich daran, sich besonders komisch anzuziehen und lustige Tänze vorzuführen und anderes Schauspiel für das lachende Publikum in Szene zu setzen. Üblicherweise werden große Mengen Alkohol zu sich genommen und die Leute sind in einer besonders ausgelassenen Stimmung. Losar wird niemals in der Kleinfamilie gefeiert sondern immer in der großen Gemeinschaft eines Dorfes.

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