Über die Bedeutung tibetischer Gebetsfahnen

Alle buddhistischen Himalayaregionen haben sie. Bunt wehend tragen sie Mantras zum Wohl der Menschheit in alle Himmelsrichtungen. Tibetische Gebetsfahnen sind auch in Ladakh allgegenwärtig. Doch was genau bedeuten sie eigentlich?

Das Windpferd und die Gebetsfahne

Generell unterscheidet man zwischen zwei Arten von Gebetsfahnen:

  1. Solche, die horizontal angebracht werden und
  2. solche, die vertikal an einem Masten/Stamm angebracht werden

Die Ladakhi nennen ihre Gebetsfahnen Dar-Chok. Dar heißt „Leben, Glück, Gesundheit und Wohlstand vermehren“ und Chok steht für „alle Lebewesen“.

In der Folge beschäftigen wir uns mit den horizontalen Gebetsfahnen: Auf ihnen steht meistens das Lungta – das Windpferd – im Zentrum der mit Holzblöcken auf Stoffe gedruckten Designs.

Es gibt viele verschiedene, das klassische sieht jedoch wie folgt aus:

gebetsfahne_erklärung

Obwohl es zwar einfarbige Gebetsfahnen gibt, sind die meisten entsprechend den 5 Elementen abwechselnd blau, weiß, rot, grün und gelb. Blau symbolisiert den Himmel und Raum, weiß die Luft und die Wolken bzw. auch den Wind, rot steht für das Feuer, grün das Wasser und gelb die Erde. Sind die Elemente, die auch uns Menschen und unsere Körper lenken, in Balance, sind wir gesund und harmonisch.

Das Windpferd oder Lungta (Lung = Wind und Ta = Pferd) trägt auf seinem Rücken drei flammende Juwelen (auch Ratna genannt), die für Buddha, Dharma (die buddhistische Lehre) und den Sangha (die buddhistische Gemeinschaft) stehen. Das Pferd (Ta) selbst steht für Geschwindigkeit und die Transformation von Unglück in Glück.

Rund um das Windpferd stehen mehrere hundert Mantras, wie beispielsweise jenes für Guru Rinpoche, das für Avalokiteshvara (Om mani padme hum) und für Manjushri. Zusätzlich zu den Mantras sind häufig auch Gebete für ein langes Leben und Glück aufgedruckt.

In den vier Ecken findet man die 4 Hoheiten: Der Garuda, der für Weisheit steht, der Drache, der ein Symbol für die Kraft ist, der Schneelöwe, der für die furchtlose Freude steht und der Tiger, der die Zuversicht symbolisiert.

Auf vielen Gebetsfahnen sind zusätzlich auch die 8 Glückssymbole angebracht:

8_glückssymbole

  • Der Schirm, der vor allem Bösen beschützt
  • Der Fisch, der für das Glück und die Rettung vom Meer des Leidens steht
  • Die Schatzvase, die für die Erfüllung der spirituellen und materiellen Wünsche steht
  • Der Lotus, der für Reinheit und die spirituelle Entfaltung steht
  • Die Muschel, die für die Lehre der Erleuchteten steht
  • Der endlosse Knoten, der für das meditative Denken und die unendliche Weisheit Buddhas steht
  • Der Siegesbanner, der für den Sieg der Weisheit über die Ignoranz steht
  • Das Rad der Lehre, das ein Symbol für die spirituelle und universelle Lehre ist.

Was bringt das Aufhängen von Gebetsfahnen?

Gebetsfahnen stehen für die Förderung von Frieden, Mitgefühl, Stärke und Weisheit. Sie tragen nicht – wie gerne angenommen – Gebete zu den Göttern, nein, der Wind trägt die Gebete und Mantras zu allen lebenden Wesen und diese sollen ihnen zu Gute kommen. Die Gebetsfahnen sind mehr als bloße bunte Dekorationsgegenstände, die die karge Landschaft Ladakhs (oder anderer Regionen) aufpeppen, ihr spirituelles Wohlwollen wird vom Wind überall dorthin getragen, wo es Leid gibt und soll alle Wesen etwas glücklicher machen. Ein schöner Gedanke und so einfach!

Aber gerade weil es sich nicht um einen bunten Dekofetzen handelt, sondern um so viel mehr, sollte man achtsam damit umgehen. Gebetsfahnen sollen nie achtlos am Boden herumliegen, man soll nicht auf sie steigen und man darf sie auch nicht einfach in den Müll werfen. Gebetsfahnen, die nicht benötigt werden, werden verbrannt oder in einen Fluss geworfen. Eine Entsorgung ist bei den Ladakhi aber meist gar nicht notwendig. Gebetsfahnen bleiben so lange hängen, bis der Zahn der Zeit sie aufgelöst hat. Es kommen neue hinzu und alte gehen … wie das Leben so ist – ein Kommen und Gehen.

 

 

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